Unserem Ziel der weiteren Unterstützung und des Ausbaus des Hopital Traditionell de Keur Massar dient auch ein Modellprojekt, das zusammen mit der Universität Dakar durchgeführt wird.

 

Projektträger:
Hopital Traditionnel de Keur Massar und Aktion Canchanabury, Bochum

Verantwortliche Leitung:
Dema Diallo
und Prof. Dr. Yvette Pares
Ärztin und Mikrobiologin an der Universität Dakar(em)
B.P. 5629
Dakar-Fann/SENEGAL

Projektbeschreibung:
Ein Modellprojekt, in dem die Patienten nach Methoden und mit Medikamenten der traditionellen afrikanischen Medizin behandelt werden. Prof. Dr. Pares arbeitet mit vier einheimischen Gurrisseurs (Heilkundigen) zusammen. Die Behandlung erfolgt anschließend mit Medikamenten auf rein pflanzlicher Basis, die alle im Projekt selbst hergestellt werden. Auch die hierfür erforderlichen Pflanzen und Kräuter werden von der Einrichtung selbst angebaut oder gesammelt. Zwecks Sicherung und Weitergabe ihres Wissens bilden die Guerrisseure Schüler in den Methoden der traditionellen afrikanischen Medizin aus. Die Arbeit wurde von der Universität "Cheikh Anta Diop" in Dakar wissenschaftlich begleitet. Im letzten Jahr waren 143 Patienten, davon 131 Kinder, stationär untergebracht.

Das Zentrum behandelte außerdem 10.926 Patienten ambulant. In seinen 14 Außenstellen betreut das Projekt weitere 20.000 Patienten. Es werden alle Arten von Krankheiten behandelt, besonders Lepra, Tuberkolose, Durchfall, Diabetes, AIDS, Hautkrankheiten usw. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei den obdachlosen "Leprakranken" in den Straßen der Hauptstadt Dakar, die von den Mitarbeitern Keur Massars vor Ort ambulant versorgt werden . Leprakranke werden kostenlos betreut, andere Kranke beteiligen sich mit geringen Beiträgen an den Kosten für Behandlung und Medikamente.

Verschiedene Rehabilitationsmöglichkeiten stehen den Patienten in Keur Massar zur Verfügung. So arbeiten die Patienten - aber auch geheilte Leprakranke - in der Schneiderei und im Gartenbau. Auch Maurer werden übernommen. Für Kinder, die in Keur Massar stationär behandelt werden, und für Kinder von Patienten gibt es eine eigene Schule.

Um die steigende Zahl der Patienten und die erforderlichen Medikamentenproduktion bewältigen zu können, sind in den letzten Jahren umfangreiche Baumaßnahmen nötig gewesen. Die Versorgung und die Infrastruktur des Zentrums ließen sich so entscheidend verbessern. Dazu gehören u.a. der Anschluß an die öffentliche Wasser- und Stromversorgung, der Neubau der Ambulanz, die Renovierung der Schule und die Errichtungneuer Produktions- und Lagergebäude. Patientenunterkünfte wurden umfangreich erneuert und eine neue Toilettenanlage gebaut.

Die Arbeit und die Erfolge in Keur Massar werden im Senegal mittlerweile allgemein anerkannt. Es bestehen z.Z. berechtigte Aussichten, den Status eines staatlich anerkannten Krankenhauses zu erhalten.

Anmerkungen:

Die Aktion Canchanabury bemüht sich neben der finanziellen Unterstützung des Projektes, auch um die Publizierung der Forschungs- und Behandlungsergebnisse von Frau Prof. Dr. Pares und ihres Teams. Durch eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit in Europa soll versucht werden, die traditionelle afrikanische Medizin wie sie in Keur Massar praktiziert wird, aus dem "Gefängnis der Vorurteile" (Zauberei, Scharlatanerei usw.) zu befreien und ihr den notwendigen Stellenwert als eigenständiges Medizinsystem zu verschaffen.
Darum suchen Keur Massar und die Aktion Canchanabury den Dialog zwischen westlicher und afrikanischer Medizin. Die vergangenen Jahre brachten große Fortschritte zu diesem Ziel.
Auch unser Video "Keur Massar - Das Alte Wissen Afrikas", das wir mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Union und des PMK/Aachen produziert haben, findet immer wieder großes Interesse.

Im letzten Jahr ist ein entscheidender Durchbruch gelungen.
Staatliche Stellen im Senegal erkennen die Arbeit von Keur Massar nunmehr ausdrücklich an. Auf Einladung des Gesundheitsministeriums wirken Verantwortliche von Keur Massar bei der Vorbereitung von Kongressen über traditionelle Medizin im Senegal mit. Diese Treffen sollen langfristig ein Statut der traditionellen Medizin verabschieden, um allgemein gültige Standards zu gewährleisten.

Seit einigen Jahren werden in Keur Massar auch verstärkt HIV-Patienten behandelt. Die bisherigen Ergebnisse und Erfahrungen sind ermutigend und zeigen, daß die traditionelle Medizin Therapiemöglichkeiten besitzt, die helfen könnten, den Allgemeinzustand der Erkrankten deutlich zu verbessern.

In diesem Zusammenhang ist geplant, im Senegal ein landesweites AIDS-Behandlungsprogramm zu initiieren, um die Wirkungsweise von Medikamenten der traditionellen afrikanischen Medizin in einem Feldversuch wissenschaftlich zu untersuchen. Dieses Projekt befindet sich in der Planungsphase.

Ich hoffe, die Informationen haben Sie interessiert und Sie helfen uns weiterhin helfen.

Es grüßt Sie
Konrad Becker

 

 

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