Aktion
Canchanabury e.V.
Mettestraße 27
D-44803 Bochum
Tel. +49-(0)234-9357846
http://www.canchanabury.de
Wie alles begann.
Die Entstehung der Aktion Canchanabury.
Nach einem Text unter http://www.canchanabury.de/index2.html
Hans Reinhardt: "Tu was, du fauler Hund!"
Dich
zu kennen ist eine Strapaze!" Diese von einem Freund gemachte Äußerung gilt
Anfang der sechziger Jahre Hans Reinhardt, einem jungen Mann, der viele Menschen
für ein außergewöhnliches Projekt auf Trab bringt.
Zugetraut hat ihm dies keiner, war er doch seit seinem vierten Lebensjahr schwer
krank. Die Ärzte im Jahre 1935 vermuten Kinderlähmung. Sicher ist man sich aber
nicht, und trotz teurer Behandlungen kann der Junge bald nicht mehr laufen.
Mit 13 Jahren besucht er zum ersten Mal eine Schule, schafft das Pensum von
fünf Volksschuljahren in weniger als einem Jahr.
Kurze Zeit später muß die Familie umziehen, weil die Bochumer Wohnung ausgebombt
wird. Es geht schließlich nach Warburg. Für Hans folgen "acht erstklassige Zuchthausjahre",
da er die enge Mansardenwohnung kaum verlassen kann. Seine inzwischen als Rheumaleiden
erkannte Krankheit verschlimmert sich. Viele Klinikaufenthalte folgen.
Die Eltern haben immer wieder Angst um das Leben ihres Sohnes.
Doch
1954 kann die Familie endlich nach Bochum zurückkehren, seine Gesundheit stabilisiert
sich. Hans kommt in Kontakt mit der Pfarrjugend der Christ-König-Gemeinde.
Er wird Mitglied, bald darauf Schriftführer und Kassenwart.Als
"Privatsekretär" des Franziskanerpaters Ottokar Mund lernt er die Bücher zu
führen und Maschine zu schreiben. "Nur Ring- und Mittelfinger der rechten Hand
waren dafür zu gebrauchen. Immerhin komme ich auf 180 Anschläge pro Minute."
Eine Aktion für die Flüchtlinge in Unna-Massen ist sein erstes Hilfsprojekt, bevor es dann richtig zur Sache geht.
Die Hilfe für die Leprakranken beginnt.
Jetzt
wird die Bekanntschaft mit ihm wirklich zur Strapaze. Denn er hat sich etwas
in den Kopf gesetzt. Er will denen helfen, denen es seiner Meinung nach noch
"dreckiger" geht als ihm selbst - den Leprakranken!
Wie er auf die Idee kam? Er beschreibt es so: "Im Mai 1960 kam mir der Gedanke,
den Aussätzigen zu helfen. Niemand gab mir den Rat, keine Buch und kein Film
regte mich dazu an. Es lag wohl daran, dass ich selber krank war.
Der
beste Dolmetscher für das Verstehen des Leides seiner Mitmenschen ist das Leid,
das man selbst ertragen mußte."
Gesagt, getan! Jedoch zuerst gilt es die skeptischen Freunde zu überzeugen.
"Sie waren von mir einiges gewöhnt. Aber als ich ihnen von meinem Plan erzählte,
zentnerweise alte Briefmarken zu sammeln, gingen sie in die Knie!"
Hans
überredet sie. "Vier Millionen Leprakranke gibt es auf dieser Welt. Vielleicht
sind es sogar 12 Millionen, ganz genau weiß das niemand. Aber 80 Prozent von
ihnen könnten durch Medikamente im Wert von nur fünf Mark gerettet werden. Laßt
uns also ein Leprakrankenhaus bauen."
Nach einem Treffen mit dem Essener Pater Alfons Schröder steht sein Entschluß
schnell fest. In Canchanabury in Thailand, nicht weit von der berühmten Brücke
über den River Kwai, soll das Krankenhaus entstehen.
Doch der Verkauf von Briefmarken allein reicht nicht aus. Sammelbüchsen werden
aufgestellt, Altmaterialsammlungen durchgeführt, Basare veranstaltet, bekannte
Künstler stiften Graphiken.
Am 10. Oktober 1961 wird ein Verein gegründet, die Aktion Leprakrankenhaus Canchanabury.
Der Vorsitzende heißt natürlich Hans Reinhardt. Zwei Jahre später ist das Geld
für das Hospital zusammen. Doch da verbietet die thailändische Regierung plötzlich
den Bau. Leprakranke in der Nähe des Toristenzentrums am River Kwai passen nicht
ins Bild.
Das erste Projekt im Kongo
Andere würden sicherlich jetzt aufgeben, aber nicht Hans Reinhardt! Er nimmt Kontakt auf mit den Afrikamissionaren, den "Weißen Vätern" in Köln. Diese benötigen Mittel für die Behandlung von Leprakranken im Kongo. 1965 entsteht in Badiya für 100.000 DM eine Leprastation, das erste Projekt der Aktion Canchanabury. Der Name "Canchanabury" wird beibehalten, kann man doch aus Niederlagen nur lernen, wie Hans Reinhardt meint.
Er legt die Hände nicht in den Schoß. Neue Aufgaben warten auf
ihn und sein Team. Das Projekt im Kongo wächst, 1966 kommt ein Lepradorf in
Bunia hinzu, endlich im Jahre 1970 die dritte Station in Aru.
Ab 1977 unterstützt die Aktion den Ausbau des Leprazentrums Lukupa in Sambia.
Hans Reinhardt bleibt am Ball, sammelt vom Rollstuhl aus unermüdlich weiter.
Dieser Einsatz fordert viel Kraft. Trotzdem setzt er sich bis zu seinem Tod
am 23. Januar 1978 beharrlich für die Leprakranken ein.
Hans Reinhardt starb im Alter von 47 Jahren.
Seine Idee aber bleibt lebendig. Die Freunde setzen sein Werk fort, entwickeln
es laufend weiter. Die Aktion Canchanabury kann sich so neuen Herausforderungen
stellen und bringt immer mehr Kranken Hoffnung und Heilung.
Denn Hans Reinhardts Vorbild regt nach wie vor viele Menschen zu eigenem Handeln
an: "Wir wollen keinen Schuß in den Ofen abfeuern, sondern Schläge gegen die
Trägheit austeilen. Tu was, du fauler Hund, aber nicht für dich, sondern für
die anderen!"
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